So erlebte ich meinen Schüleraustausch in Frankreich.

Einigen  Auszubildenden der Carl-Benz-Schule in Karlsruhe bot sich 2017 die Gelegenheit, zu Ende ihres 2. Lehrjahres an einem Schüleraustausch in der nordfranzösischen Stadt Compiègne teilzunehmen. Hier ist der Bericht von Robin Mastrocesare, der im S&G Betrieb Bretten eine Ausbildung zum Kfz-Mechatroniker absolviert:

„Da ich schon immer bei so einem Austauschprogramm dabei sein wollte, meldete ich mich zeitig beim zuständigen Lehrer. Nach Rücksprache mit meinem S&G Ausbildungsbetrieb und der Personalabteilung, die mich prima unterstützten, stand meinem Vorhaben nichts mehr im Wege.

Mit über 300 km/h brachte uns der ICE von Karlsruhe direkt ins Zentrum von Paris. Von hier nahmen wir den nächsten Zug nach Compiègne, rund eine Fahrstunde entfernt. Insgesamt verlief die Hinreise sehr komfortabel. Dank optimaler Planung und Organisation unserer Lehrer erreichten wir alle sicher unser Ziel und trafen am späten Nachmittag im Maison de l'Europe, ein. Dieses Hostel ist eine sehr einfache Unterkunft, leider auch mit Mängeln in der Sauberkeit; dank unserer Vorfreude auf das bevorstehende Abenteuer aber sah man über solche Defizite rasch hinweg.

In der ersten Woche hatten wir vormittags einen Tandemsprachkurs. Hier lernten wir, uns auf Französisch vorzustellen, bis 100 zu zählen und die Wochentage zu benennen. Diese Kenntnisse konnte ich in den nächsten Wochen super anwenden. Auch nahm der Kontakt zu den französischen Mitschülern täglich zu: Ständig lernte man neue Leute kennen – beim Mittagessen in der Schulkantine oder beim Fußball auf dem Bolzplatz.

Am dritten Tag besuchten wir die Hauptstadt. Viele Schüler waren das erste Mal in Paris. Ich war zwar schon zweimal zuvor dort gewesen, hatte aber trotzdem viel Spaß: Wir machten eine Schifffahrt auf der Seine, bestiegen den Eiffelturm und liefen über die Champs-Élysées. Täglich bekamen wir ein Lunchpaket für unterwegs, das meist aus einem Thunfischsalat, Obst, Chips und einem Joghurt bestand.

Unser erster Samstag stand ganz im Zeichen der gemeinsamen Geschichte von Frankreich und Deutschland. Vor genau 100 Jahren, am Ende des Ersten Weltkriegs, war im Wald in Compiègne der Waffenstillstandsvertrag zwischen beiden, damals verfeindeten Ländern unterzeichnet worden. Wegen des Jubiläums war an diesem Tag hoher politischer Besuch in Compiègne – unter anderem der französische Premierminister Édouard Philippe, der uns sogar in seiner Rede erwähnte. Er hob hervor, dass die Gedenkfeiern heute an die gefallenen Soldaten und an den Frieden zwischen Deutschland und Frankreich erinnern wollen. Sonntags fuhren wir mit dem Bus nach Amiens, die Hauptstadt der Picardie. So heißt die französische Region, in der auch Compiègne liegt. In Amiens befindet sich der höchste Dom Frankreichs, die Notre Dame d'Amiens, ein schönes und erstaunlich helles Gebäude.

Ab der zweiten Woche begann die Arbeit in den französischen Kfz-Betrieben. Ich wurde bei einer Mercedes-Benz Vertragswerkstatt namens Techstar 60 eingesetzt. Gleich am ersten Tag durfte ich richtig ran: In Kooperation mit meinem französischen Tandempartner Dylan tauschten wir einen Generator in einer E-Klasse aus. Vieles erinnerte mich an meine Heimatwerkstatt und ich fühlte mich vom ersten Augenblick an mit meiner Tätigkeit vertraut. Einbauanleitungen und Teilenamen auf Ersatzteilen waren großteils in deutsch, was mir das Arbeiten erheblich erleichterte. Auch die Kommunikation mit den französischen Gesellen fiel mir leicht. Mit etwas Englisch und dem Google Translator war die Verständigung kein Problem. Im Großen und Ganzen ist das Arbeiten einer französischen Werkstatt nicht anders als bei uns. In meinem Auslandsbetrieb herrschte allerdings ein langsameres Arbeitstempo und viele Schrauben wurden von Hand festgezogen statt mit dem Drehmoment. Organisatorisch war Techstar 60 gut ausgerüstet. Es gab einen LCD-Bildschirm, auf dem alle Aufträge erfasst sind. Diese wurden den Gesellen zu Beginn des Arbeitstages zugeteilt und mussten bis zum Feierabend erledigt werden. Der Kontakt zwischen Werkstatt und Kundenannahme wurde stets aufrecht erhalten und jeder wurde gleichermaßen einbezogen. Von 12 bis 14 Uhr war Mittag, den ich im Pausenraum verbrachte; die meisten Gesellen fuhren zu Fast Food Restaurants in der Nähe, machten Sport oder fuhren zum Essen nach Hause. Arbeitsschluss war pünktlich um 17:30 Uhr. Zuvor wurden der Boden gereinigt, die Werkzeuge aufgeräumt und der Müll entsorgt. Ordnung ist in der Mercedes-Benz Werkstatt wichtig, das wurde mir schon am ersten Arbeitstag vermittelt.


Fazit: Der Austausch war ein voller Erfolg, denn ich habe viel mehr gelernt als erhofft. Es macht unglaublich Spaß, neue Leute kennenzulernen, sich eine neue Sprache anzueignen und in einem fremden Land zu arbeiten. Die französische Lehrerin, die uns betreute, hat gute Arbeit geleistet und uns eine tolle Zeit in Frankreich ermöglicht. Wir kamen alle super miteinander aus, und ich habe viele neue Freunde gewonnen. Ich würde einen solchen Austausch auf jeden Fall weiterempfehlen und hoffe, die Carl-Benz-Schule ermöglicht es auch anderen Berufsschülern, diese Erfahrungen zu machen.“